Letzte Woche auf der Zukunft Personal habe ich ihn wieder mehrfach gehört: den Titel Head of People & Culture. Er klingt modern, warm, menschlich. Wer möchte nicht gern mit „Kultur“ verbunden sein?
Doch der Titel birgt eine Falle: Er suggeriert, dass HR allein Unternehmenskultur schaffen oder verändern könne – und weckt damit unrealistische Erwartungen an HR.
🔎 Kultur entsteht durch das tägliche Handeln der Führungskräfte, durch die Art, wie das Geschäft gesteuert wird, und durch die Erfahrungen der Mitarbeitenden. Kultur ist also ein Ergebnis – keine Strategie.
Edgar Schein zeigt in seinem Standardwerk Organizational Culture and Leadership, dass Führungskräfte Kultur insbesondere durch ihr Verhalten prägen – etwa dadurch, worauf sie achten, was sie belohnen, wie sie Ressourcen verteilen und wen sie befördern oder entlassen (Quelle, PDF-Auszug).
🚧 Warum Kulturinitiativen oft ins Stocken geraten
Viele von uns in HR – mich eingeschlossen – wurden schon gebeten, ein „Kulturprojekt“ zu leiten. Wir investieren unsere Leidenschaft und unzählige Stunden. Wir starten Kampagnen, Workshops, neue Werteplakate. Doch allzu oft verpufft die Wirkung.
Warum?
- ❌ Führungskräfte standen nicht im Zentrum. Kultur lebt durch ihr tägliches Verhalten, nicht durch unseres.
- ❌ Worte blieben Worte. Poster und Slogans greifen nicht, wenn Führungsverhalten gleichbleibt.
- ❌ Führungskräfte auf mittlerer Ebene wurden nicht eingebunden. Ohne sie verbreiten sich neue Arbeitsweisen kaum.
Das ist nicht auf einen Mangel an Einsatz zurückzuführen – sondern ein Hinweis darauf, dass Kultur nicht „outgesourced“ werden kann.
🌱 Was Kultur tatsächlich verändert
Nachhaltige Kulturveränderung entsteht, wenn:
✅ Führungskräfte vorangehen. Sie definieren und leben die Verhaltensweisen, die die Strategie erfordert.
✅ Systeme die Geschichte stützen. Ziele, Beförderungen, Anerkennung – alles wird auf diese Verhaltensweisen ausgerichtet (Sloanreview).
✅ Führungskräfte im Alltag befähigt werden. Sie tragen Kultur in den täglichen Arbeitsfluss.
✅ Fortschritt sichtbar wird. Wir messen nicht nur Engagement, sondern auch wie Entscheidungen, Zusammenarbeit und Kundenergebnisse sich verbessern.
💡 Worin HR einzigartigen Wert stiftet
Wenn HR Kultur nicht „besitzt“ – was ist dann unsere Rolle?
👉 Wir gestalten People-Systeme, die gewünschtes Verhalten fördern und belohnen.
👉 Wir coachen und entwickeln Führungskräfte, damit sie ihren Worten Taten folgen lassen.
👉 Wir messen und spiegeln – bringen Fakten auf den Tisch und zeigen, wo Kultur Strategie stützt oder behindert.
👉 Wir schaffen Feedbackschleifen, in denen Mitarbeitende ihre Stimme erheben können – und die tatsächlich Wirkung entfalten.
🤝 Eine Einladung an die Führung
Kultur ist kein HR-Projekt. Kultur ist eine Führungsaufgabe – und einer der stärksten Hebel für unternehmerischen Erfolg.
Wir in HR stehen bereit: als Partner, als Impulsgeber, mit Werkzeugen und Einsichten, die Kultur greifbar machen. Aber nur, wenn Führungskräfte gemeinsam mit uns die Verantwortung übernehmen, kann Kulturveränderung wirklich Wurzeln schlagen.
✨ Gemeinsame Take-aways für HR und Führung
👥 HR: Hört auf, Kultur allein zu schultern – bindet Führungskräfte früh und sichtbar ein.
👔 Führungsteams: Definiert 2-3 Verhaltensweisen, für die ihr stehen wollt – und lebt sie konsequent.
🎯 Gemeinsam: Systeme ausrichten und Fortschritt feiern.
👉 So wird „People & Culture“ mehr als ein Titel. Es wird zu einem gemeinsamen Commitment – gelebt von Führung, ermöglicht durch HR, mitgestaltet von Mitarbeitenden.
💬 Was sind eure Erfahrungen mit der Beeinflussung von Unternehmenskultur?